
Wenn die Stichsäge bei 40 mm Fichte plötzlich bockt, das Blatt heiß läuft und der Schnitt nach Banane aussieht, liegt es selten nur am „zu schwachen Motor“. In der Praxis entscheidet oft eine Kombination aus Hublänge, Hubzahl, Pendelhub und Sägeblatt-Geometrie darüber, ob dickes Holz zügig und halbwegs sauber durchgeht – oder ob du dich Millimeter für Millimeter durchquälst.
Der Kern deiner Frage „stichsäge welcher hub für dickes holz“ lässt sich deshalb nicht mit einer einzigen Zahl erschlagen. Aber: Du kannst das Thema so einordnen, dass du beim Kauf und bei der Einstellung sofort bessere Ergebnisse bekommst.
Hublänge bei der Stichsäge: Was sie wirklich verändert
Die Hublänge (oft 18-26 mm) ist der Weg, den das Sägeblatt pro Hub auf und ab macht. Mehr Hublänge bedeutet nicht automatisch „mehr Power“, aber sie verändert zwei sehr handfeste Dinge.
Erstens: Spanabtransport. Bei dickem Holz musst du viel Material aus dem Schnittkanal bekommen. Ein längerer Hub sorgt dafür, dass die Zähne über eine größere Strecke arbeiten und die Späne besser nach oben „mitnehmen“. Das reduziert Reibung und Wärme – beides sind typische Ursachen für verbrannte Schnittkanten und wandernde Blätter.
Zweitens: Arbeitsgeschwindigkeit. Bei gleicher Hubzahl legt das Blatt mit längerem Hub mehr Weg zurück. Das kann die Schnittleistung erhöhen, solange das Blatt stabil bleibt und die Maschine das sauber führt.
Der Haken: Längerer Hub kann auch mehr Vibration und mehr seitliche Belastung am Blatt bedeuten. Bei engen Kurven oder wenn du sehr sauber schneiden willst, ist das nicht immer ein Vorteil.
Welche Hublänge für dickes Holz sinnvoll ist
Für „dickes Holz“ im Heimwerker-Alltag reden wir meistens über 30-60 mm Massivholz, manchmal über 70-80 mm Konstruktionsholz oder Arbeitsplatten. Dafür hat sich in der Praxis eine klare Tendenz etabliert.
Für 30-50 mm Holz bist du mit 20-23 mm Hub gut aufgestellt, wenn das Sägeblatt passt und die Maschine nicht aus der Einsteigerklasse kommt. Das ist der Bereich, in dem viele ordentliche Netz-Stichsägen und bessere 18V-Akku-Stichsägen liegen.
Ab etwa 50 mm Holzstärke wird ein längerer Hub spürbar angenehmer. 24-26 mm Hub ist dann oft der Punkt, an dem sich die Säge weniger „zusetzen“ lässt und du mit vernünftigem Vorschub arbeiten kannst, ohne dass alles heiß wird.
Wenn du regelmäßig 70-90 mm schneiden willst, sollte die Stichsäge wirklich in Richtung 25-26 mm Hub gehen und eine gute Blattführung haben. Trotzdem bleibt das der Bereich, in dem du ehrlich prüfen musst, ob nicht eine Säbelsäge, Handkreissäge oder Bandsäge die passendere Lösung ist – je nachdem, ob es um grobe Zuschnitte oder um Präzision geht.
Hubzahl, nicht nur Hublänge: Das zweite Leistungsrad
Viele schauen nur auf den Hub in Millimetern, dabei ist die Hubzahl (Hübe pro Minute) mindestens genauso relevant. Dickes Holz heißt: hoher Widerstand, viel Reibung, viel Span. Du brauchst eine Hubzahl, die das Blatt arbeiten lässt, aber nicht sofort überhitzt.
Für zügige Längs- oder Querschnitte in 40-60 mm Weichholz landest du oft im mittleren bis hohen Drehzahlbereich. Bei Hartholz (Buche, Eiche) ist es häufig besser, die Hubzahl etwas zu reduzieren und den Vorschub sauber zu kontrollieren. Zu hohe Hubzahl plus zu wenig Vorschub ist ein Klassiker für Brandspuren, weil die Zähne dann eher reiben als schneiden.
Wichtig beim Kauf: Manche Akku-Stichsägen wirken auf dem Papier stark, brechen aber unter Last in der Drehzahl ein. Das merkst du genau bei dickem Holz. Ein Modell mit guter Elektronik (Konstantlauf) hält die Hubzahl besser und schneidet am Ende schneller, obwohl die Maximalzahl vielleicht ähnlich aussieht.
Pendelhub: Wenn dickes Holz plötzlich „leicht“ wird
Der Pendelhub (3-4 Stufen plus 0) ist bei dickem Holz oft der Gamechanger. Dabei kippt das Blatt in der Aufwärtsbewegung leicht nach hinten und „beißt“ aggressiver ins Material. Ergebnis: schnellerer Schnitt, bessere Spanabfuhr, weniger Hitze.
Für dickes Holz ist Pendelhub Stufe 2-3 meistens die vernünftige Basis, vor allem bei Weichholz und Konstruktionsholz. Stufe 4 ist eher etwas für grobe, schnelle Schnitte, bei denen dir die Kante egal ist.
Wenn du eine sichtbare Kante willst oder Ausrisse vermeiden musst, gehst du runter bis Stufe 0-1 und arbeitest mit passendem Blatt, Klebeband, Vorritz-Linie oder Gegenspannbrett. Das dauert länger, wird aber sauberer.
Das Sägeblatt entscheidet mehr als der Hub
Bei dickem Holz kannst du mit dem falschen Blatt jeden Hub „kaputt machen“. Drei Eigenschaften sind entscheidend: Länge, Zahnteilung und Blattstärke.
Die Blattlänge muss so gewählt sein, dass die Zähne im Hub immer frei arbeiten können und das Blatt nicht am Spannfutter oder an der Rolle anschlägt. Für 60 mm Material brauchst du in der Praxis ein deutlich längeres Blatt als Standard – nicht weil es „gerade so“ durchreichen soll, sondern damit der Schnittkanal Platz für Späne hat.
Die Zahnteilung: Für dickes Holz und schnellen Schnitt brauchst du gröbere Zähne (weniger Zähne pro Zoll). Zu feine Zähne verstopfen schneller und machen Wärme. Für Hartholz kann eine mittlere Zahnung sinnvoll sein, weil grob sonst zu ruppig wird und das Blatt mehr auswandert.
Die Blattstärke und der Schliff bestimmen, wie gut das Blatt gerade bleibt. Für dickes Holz und gerade Schnitte ist ein breiteres, stärkeres Blatt klar im Vorteil. Für Kurven brauchst du schmale Blätter – dann musst du akzeptieren, dass bei 50+ mm die Schnittfläche eher aus dem Lot laufen kann.
Gerade Schnitte in dickem Holz: Wo Stichsägen an Grenzen kommen
Der häufigste Frustpunkt ist nicht die Schnittgeschwindigkeit, sondern der 90-Grad-Winkel. In 18 mm Birke-Multiplex kann eine gute Stichsäge erstaunlich gerade. In 60 mm Kiefer kann das Blatt trotz Führungsschiene unten deutlich abweichen.
Das liegt an seitlichen Kräften, am Pendelhub und an der Blattführung. Maschinen mit solider Rollenführung und wenig Spiel führen das Blatt stabiler. Auch das Gewicht und die Grundplatte spielen rein: Eine steife, sauber plan liegende Sohle ist bei dickem Holz Gold wert.
Wenn du wirklich präzise Längsschnitte in starkem Material brauchst, ist die ehrlichste Empfehlung: lieber eine Handkreissäge mit Führungsschiene oder eine Tischkreissäge nutzen. Die Stichsäge bleibt dann für Ausschnitte, Kurven, Anpassungen und „geht nicht anders“-Situationen.
Akku oder Kabel: Was bei dickem Holz spürbar ist
Dicke Schnitte sind Dauerlast. Netz-Stichsägen liefern diese Dauerlast oft entspannter, weil die Leistungsabgabe konstant ist. Bei Akku-Stichsägen hängt viel am System: 18V mit 5,0 Ah ist eine andere Welt als 18V mit 2,0 Ah, und 36V bzw. Twin-18V kann bei dickem Holz spürbar ruhiger laufen.
Entscheidend ist nicht nur „Volt“, sondern auch, wie gut die Maschine die Leistung in Vorschub umsetzt. Eine kräftige Akku-Stichsäge kann dickes Holz problemlos schaffen – du solltest dann aber auch mit hochwertigen, passenden Blättern arbeiten. Billige Blätter fressen Leistung und machen aus einer guten Maschine eine nervige.
Praxis-Setups: So stellst du die Stichsäge für dickes Holz ein
Wenn du 40-60 mm Weichholz schnell trennen willst, starte mit grobem Holzblatt, Pendelhub 2-3 und mittelhoher bis hoher Hubzahl. Wichtig ist ein gleichmäßiger Vorschub: Nicht drücken, aber auch nicht „streicheln“. Du willst, dass die Zähne schneiden und Späne kommen.
Bei 40-60 mm Hartholz gehst du oft mit der Hubzahl etwas runter, nimmst ein Blatt, das nicht zu grob ist, und reduzierst den Pendelhub auf 1-2. Das Blatt bleibt so eher auf Kurs, und du kontrollierst die Wärme besser.
Für saubere Sichtkanten in dickem Holz nimm Pendelhub 0-1, arbeite mit feinerem Blatt und rechne mit deutlich mehr Zeit. Wenn es trotzdem ausreißt, liegt es oft am Austritt unten. Dann hilft ein Opferbrett darunter oder das Werkstück so drehen, dass die Sichtseite zur Fußplatte zeigt, je nachdem, wie dein Blatt schneidet.
Kaufkriterien: Was du bei „viel dickes Holz“ wirklich brauchst
Wenn dickes Holz bei dir regelmäßig ansteht, sind Hublänge und Pendelhub nur ein Teil. Achte auf eine stabile Grundplatte (am besten aus Druckguss), eine präzise Blattführung und eine Regelung, die die Drehzahl unter Last hält. Eine gute Absaugmöglichkeit ist nicht nur Komfort, sie hält auch die Schnittlinie sichtbar – gerade wenn viel Span entsteht.
Auch die Schnitttiefe-Angabe (zum Beispiel 80-135 mm in Holz) solltest du realistisch lesen. Das ist meist ein Maximalwert unter Idealbedingungen. Wenn du 100 mm selten brauchst, ist eine Stichsäge mit 24-26 mm Hub und gutem Blatt oft ausreichend. Wenn du 100 mm oft brauchst und es soll gerade werden, ist das eher ein Fall für eine andere Sägeklasse.
Wenn du dich tiefer in Tests und Messwerte einlesen willst: Auf basteln-bauen.de findest du praxisnahe Einordnungen, bei denen solche Daten nicht nur im Datenblatt stehen, sondern im Schnittbild und im Handling wieder auftauchen.
Typische Fehler, die dickes Holz unnötig schwer machen
Viele Probleme kommen nicht von „zu wenig Hub“, sondern von drei Klassikern: falsches Blatt, zu viel Pendelhub bei Präzision oder ein zu zögerlicher Vorschub. Gerade bei dicken Balken ist der Impuls groß, weniger zu schieben, um sauber zu bleiben. In der Realität steigt dann oft die Hitze, und das Blatt fängt erst recht an zu verlaufen.
Ein weiterer Punkt ist das Werkstück selbst: Wenn es im Schnitt anfängt zu klemmen, hilft auch der beste Hub wenig. Sauber aufbocken, Schnittfuge freihalten, notfalls einen Keil setzen – das ist bei dickem Holz manchmal wichtiger als jede Maschinenzahl.
Zum Schluss zählt eine einfache Werkstatt-Regel: Stell die Stichsäge so ein, dass Späne kommen und die Maschine ruhig läuft. Wenn du merkst, dass du kompensierst – mehr drücken, mehr wackeln, mehr nachlenken – ist das das Signal, Hubzahl, Pendelhub oder Blatt zu ändern, nicht deine Hand.

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